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demontageGalerie Freihausgasse, Villach, 1997. Die Gebirge sind stumme Meister Ein Gipfelheimholungsprozedere, wohl auch ein Versuch, die Meister zum Sprechen zu bringen, indem man Stück für Stück ihren Stolz zu Tal trägt, ihrer Spitzen habhaft wird, und die Meister damit aus ihrer Meisterschaft, der besagten stummen Gebärde, entläßt. Giovanni Segantini schuf ein Vokabular für den Schafberg oberhalb von Pontresina, indem er eines seiner zahlreichen Gebirgsbilder dort malte, ebensolches wiederfuhr der Jungfrau durch die Darstellung Ferdinand Hodlers oder dem Watzmann durch Caspar David Friedrichs Bildfiktion. "So sieht das Auge in jenen Gebirgsmassen, in denen sich der Bildungstrieb der Erde zuerst ausgesprochen, den Boden und die zu Stein erstarrten Wogen eines ungeheuren Meeres...zum Gipfel hin verliert das Gestein immer mehr seine natürliche Struktur und endet schließlich in einem entmaterialisierten, selbst den Schnee verfremdenden Stoff. Dieser harte kristalline Stoff verbindet sich mit dem Stahlblau des Himmels zu einer Gesamtstimmung von Kälte und Erstarrung, Naturentfremdung wie Natursehnsucht symbolisierend." (Gotthilf Heinrich von Schuberts geognostische "Ansichten von der Nachtseite der Naturwissenschaften" entstanden unter dem Eindruck von Caspar David Friedrichs Gebirgslandschaften.) Diese aus der Sicht der Romantik zu begreifende kühne Synthese aus naturphilosophischer Spekulation, erdkundlichen Forschungen und einer mystisch orientierten Sammelleidenschaft für alles Kristalline und Mineralische, die bis in die heutige Zeit nichts an Attraktivität verloren hat, sehe ich als spiritus rector dieses Alpengipfelprojektes, welches allein durch die Tatsache der Demontage, diesem gleichsam anarcho-romantischen Akt der Gipfelzerstörung, dem geognostischen Weltbild Gotthilf Heinrich von Schuberts eine unverfroren kompromißlose, und dennoch möchte ich sagen, landschaftsdemokratische Haltung gegenüberstellt. Aus den 36 Gipfelsteinen wird jeweils ein Steinzeugduplikat hergestellt, welches die von Gotthilf Heinrich von Schubert beschriebene "Gesamtstimmung von Kälte und kristalliner Erstarrung, Naturentfremdung wie Natursehnsucht symbolisierend", in ästhetisierender Form durch die Monochromie der Serialität als Artefakt widerspiegelt. Den Vorgang der Erosion in einer geradezu parawissenschaftlichen Inszenierung vorwegnehmend, wird der "Originalgipfel" zu Steinstaub zermahlen, und liegt dem Betrachter als kleines Berghäufchen sozusagen zu Füßen. Ein klassisches "Nonsite" in kunstterminologischer Anlehnung an Robert Smithson, versehen mit Originalzertifikat in Form einer exakten Betitelung der geologisch-geografischen Daten des jeweiligen Gipfelsteins. Die Installation erfährt durch die geringfügig unterschiedlichen Höhen und den minimal nuancierten Farbschimmer der Berghäufchen eine sinnliche Plastizität, eine geradezu topographische Dimension, die durchaus Assoziationen an Ansichten aus dem Weltall erwecken könnte, und somit auch die Ansichten der Nachtseite von den Naturwissenschaften in sich trägt.
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