TONI KLEINLERCHER, ZUR AUFLÖSUNG ÜBER DIE GLEICHHEIT IN DER LEERE, IN:
DECODIERUNG:RECODIERUNG
TRITON VERLAG WIEN,
2001, S. 11-25.
1. EXKURS ZU DEN KÜNSTEN
DER KOMBINATORIK Paraphrase
2. TRIBUTE TO JOHN CAGE
Permutation
3. BEGLEITENDE ALPHABETE
Exzerpt
4. MNEME (mneme)
Montage
5. DAS GEHIRN EINE
ERREGUNG Textsampel
6. REALITÄTEN
Dekomposition
7. DAS RAUSCHEN DER
ZEICHEN Kompilation
8. BAUDOT- MORSE - CODE -
VERSTRICKUNG Modifikation
9. VOM SICHTBAREN ZUM
NICHTSICHTBAREN Collage
10. EBENSO WIE DAS LEERE
WORT Palimpsest
Mäandern rede ich von
Schleiern lüften wird nichts klarer wenn es deutlich scheint. Kaleidoskopisch
weit den Bogen im Versuch den Zirkelschluss zu spannen.
Kein Vorne weil kein Anfang so wie hinten
auch kein Ende ist. Was gelesen werden kann vom Feld die Leere trage ich
zusammen.
1. EXKURS ZU DEN KÜNSTEN DER
KOMBINATORIK Paraphrase
...
Ich betrachte es als die Aufgabe
eines Schriftstellers, einen Code zu konstruieren, der den Würfelwurf lesbar
macht, und sich ein Zeichensystem vorzustellen, das die Blindheit
übermittelt, kurzum, ich betrachte es als die Aufgabe des
Schriftstellers, sich mit dem Unmöglichen zu beschäftigen, dem
Unvollkommenen, dem, was außerhalb liegt, versuchsweise eine Sprache zu
gebrauchen, die nicht existiert, noch nicht. ...
(Inger Christensen, "Die klassenlose Sprache",
1971)
Der Raum das Buch sind Synonyme ist Marcel
Broodthaers' »Un coup de dés jamais n'abolira le hasard«. Ausgelöscht der
Inhalt in schwarzen Durchstreichungen Luft für die Poesie. Anstelle Schrift
- lang vor dem Strichcode - variable Linienbalken. Schriftbild und
Leerstelle finden Entsprechung in der Auflösung. Beweglichkeit und
Metaphorik in Idee, den »Würfelwurf« auf transparente Buchseiten gedruckt,
entsteht ein viables Bewegungsgefüge. Jedes Umblättern ein neuer Gewinn. Die
schwarzen Linienfigurationen aus kurzen und langen, dicken und dünnen Strichen
korrespondieren unmittelbar mit den Diagrammen des »I-Ching«, dem »Buch der
Wandlungen«, dem System der kombinatorischen Lesbarkeit, seiner
Verschlüsselung, Änigmatisierung. Der Code ruht in den Diagrammen,
Trigrammen oder Hexagrammen, in den acht verschiedenen Dreiergruppen von
gebrochenen und ungebrochenen Strichen. Die 64 als die große Zahl. Dies sind
die Voraussetzungen einer Ars combinatoria, einer mobilen Lesbarkeit. "Die
primäre Bedeutung des Wortes »I« ist Tausch, Wandel, die dem allgemeinen
Grundcharakter des Buches entspricht. Denn was ihm seine Eigenart verleiht,
ist gerade sein nicht-statischer Charakter." 1 Die Kunst der Decodierung
angebracht, trage ich zusammen, was mir zufällt. Springe bloßen Geistes in
die »Ars generalis ultima« des Raimundus Lullus, wie sie in ihrer letzten
Fassung heißt. Ein Buch als Versuch, universelles Wissen über ein logisches
System der Codifizierung verfügbar zu machen. Ein kühnes Denkmodell aus
drehbaren Scheiben mit Chiffren, ein "göttliches Alphabet", wie man es in
seiner Zeit sah, ein Bedeutungs-Alphabet für die Grundprinzipien des
sogenannten Seins. Das Einzelne im Allgemeinen sichtbar gemacht, führten
seine programmatischen Beispiele von jeweils neuen Buchstabenkombinationen
zu immer neuen logischen Schlüssen. Heute erkennen Wissenschaftler in ihr
den "Ursprung der Computertheorie." 2 Die »Ars magna«, hohe Kunst der
Kombinatorik, "minuziös erarbeiteteter Buchstabenkosmos", ein
Koordinatensystem. Ein Denkspiel, ein Modell. Von Lullus zur Wortfindung
beim Dichten eingesetzt. Zum Surrealisten avant la lettre, zum Vorläufer der
konkreten Poesie erkoren. 3 Das »I-Ching« und die »Ars magna«, als Idee des
Universalbuches, als Metapher der Welt, als Weltformel. Der Würfelwurf
erkannt als poetische Metamorphose und zugleich Metapher einer Poesie des
Zufalls. Und Leibniz, der in diesen Meeren kreuzte. Na klar, wer sonst. John
Cage zum Beispiel. In den "Gedanken eines progressiven Musikers über die
beschädigte Gesellschaft" erklärte Cage, daß er seine Kompositionen auf der
Anzahl der Hexagramme des »I-ching« aufgebaut habe. "The number 64 which is
the number that the »I Ching« works with, I found a way of relating it to
numbers which are larger or smaller than 64 so that any question regarding a
collection of possibilities can be answered by means of the »I Ching« which
I now have computerized, so that I can very quickly do something using the
»I Ching« actually as a computer." 4 Er stelle seine Fragen an das »I
Ching«, schrieb Cage, und erhalte aus ihm die Summe der möglichen Antworten.
Walter de Maria ließ sich anregen und schuf die Bodenskulptur »360° I
Ching«. Die 64 Hexagramme zu einem geometrischen Muster aus gleichgroßen
Blöcken von jeweils sechs weißen Holzstäben auf dem Boden geordnet. In
immer neuen Kombinationen aus durchgehenden und unterbrochenen Linien. In
Summe 576 Stäbe, davon 192 in einer Länge von zwei Metern und 384 von 90
cm. Die "360°" verweisen klar auf einen imaginären Kreis. Der Block als
bewegliches Gefüge. Die Linienfigurationen den Hexagrammen aus dem »Buch der
Wandlungen« entsprechend. Stellt die »Ars combinatoria« von Leibniz in der
Idee des Zeichensystems ein Universalbuch in der Konsequenz des »I-Ching«
dar, so steht auch Walter De Marias »360° I Ching« als Idee zwischen einer
"Metaphysik der Unendlichkeit" und dem "Programm einer exakten und
vollständigen Darstellung aller gedanklichen Möglichkeiten durch
Characteristica universalis". 5 Später erst, in einem Taumel der Verirrungen
endlich einen Weg gefunden, auf George Brecht gestossen. Der von Cage
eingeweihte, der mit den Wörtern tanzte, indem er das »Book of the Tumbler
on Fire« entwarf. Ein vierteiliges, aus vier Buchkassetten bestehendes Werk,
ganz in der Konsequenz und Disziplin des chinesischen Buches der Wandlungen,
die Texte und Worte nach ihrer Mehrdeutigkeit und Kombinationsmöglichkeit
ausgewählt. Vergleichbar dem Mallarméschen Würfelwurf, wird hier durch die
verschiedenen Sprachen voneinander getrennt, was bei Mallarmé durch die
verschiedenen Drucktypen auseinandergewürfelt ist, und zugleich wiedervereint,
sofern man zu kombinieren weiß. Nahrung für die Adepten und die
Orakeljünger. Broodthaers ständig im Geleit, sein luftig-poetisches »Coup de
dés«, bald angedockt bei James Lee Byars. Seinen leeren Büchern: »The Book
of Clairvoyance«, ein Foliant mit hundert unbedruckten, unnumerierten Seiten
auf schwarzem Bütten mit schwarzem Samteinband, sowie hundert Bücher mit nur
einer Seite für jeweils einen Satz, die »One Page Books«, auch sie aus
schwarzem Bütten. Oh elegante Konsequenz! Diese Reise würde wohl kein Ende
nehmen. Raum und Buch sind Synonyme. Das Buchstabenlose »Book of
Clairvoyance« wie die in die totale Schwärze zusammengedrängte
Universalbibliothek der hundert »One Page Books«, ein Sinnbild für das leere
Weltbuch. Vergleichbar dem Raum als leere Weltformel. Der leere Raum und das
leere Blatt, in der Gleichheit der Leere, in der Idee des leeren Buches.
Alles dem Leser überlassen, der Unbestimmbarkeit der Rezeption. Das
leere Buch als Ort vervielfachter Wirklichkeiten eigener Ordnungen, die
imaginäre Universalbibliothek schlechthin. "War die Welt eine Mitteilung des
Schöpfers an seine Kreaturen gewesen, muß der Verlust dieser Funktion die
entleerte Gebärde der Bedeutung hinterlassen: Die Welt als Buch über nichts."
6
1 Wolfgang Bauer: Die Grundlagen des
»Buches der Wandlungen«. In »I Ging«, Köln 1973, S.4. 2 Vgl. dazu Werner
Künzel und Heiko Cornelius »Die Ars Generalis Ultima des Raymundus Lullus«,
Studien zu einem geheimen Ursprung der Computertheorie, Berlin 1986. 3
Vgl.Barbara Catoir: »Raimundus Lullus, Antoni Tàpies und die Kunst der
Kombinatorik« in »Gespräche mit Antoni Tàpies«, Prestel Verlag München 1987
u. erweiterte Neuauflage 1996. 4 John Cage: Gedanken eines progressiven
Musikers über die beschädigte Gesellschaft. In: John Cage. Hrsg. v.
Heinz-Klaus Metzger und Rainer Riehn, München 1978, S. 31. 5 Hans
Blumenberg: »Die Lesbarkeit der Welt«, Frankfurt 1993, S.129. 6 ebda. S.
304
2. TRIBUTE TO JOHN CAGE
Permutation
1Amasake2Arame3Azuki4Bancha5BoCha6Buchweizen7Bulgur 8Couscous9Daikon10Dashi11Dulse12Escarole 13Funori14Gerste15Ginkgo16Ginseng17Gluten18GomaMiso 19Gomasio20HatchoMiso21Hafer22HatoMugi23Hiba 24Hijiki25Hirse26Hiziki27Ingwer28Iriko29Jinenjo30Kakkontee 31Kanten32Karotten33Kelp34KoiKoku35Kohl36Kombu 37Kukicha38Kuzu39Leinsaat40Lotoswurzel41Maifun 42Maissirup43Mangold44Marone45Matcha46Meerrettich 47Meersalz48Mekabu49Miesmuschel50Minze51Miso52Mochi 53MugiMiso54MuTee55Natto56Nigari57Nishimi 58Nori59Nuka60Oktopus61Omedoto62Pastinaken 63Perlgerste64Polenta65Quallen6Ramen67RanSho68Reis 69Reiskleie70Reismalz71Reistee72Rettich73Roggen74RyokuCha 75Saifun76Sake77Sashimi78Schafgarbe79Schalotten80Schnittlauch 81Seitan82Senfblätter83Sesam84Shiitake85Shiso86Shoyu87 ShoBan88Soba89Sojabohnen90Somen91Sukiyaki 92Sushi93Tahini94Tamari95Taro96Tekka97Tempeh 98Tempura99Tofu100Udon101Umeboshi102Vogelmiere 103Wakame104Wasserkresse105Weizen106Xenien107Yannoh108Zoni
3. BEGLEITENDE ALPHABETE:
VERSCHOBENE STANDARD-ALPHABETE Exzerpt
· 'tabula recta' des Benediktinerabtes
Johannes Heidenberg, genannt Trithemius, 1508 (Abb. aus [Bauer]; vgl.
nachstehendes Vigenère-Tableau) · Vigenère-Chiffrierschritte
Vigenère-Tableau Vigenère, 1523 - 1596
a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y
z A A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z B B C D E F G H I
J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z A C C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V
W X Y Z A B D D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z A B C E E F G
H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z A B C D F F G H I J K L M N O P Q R S T
U V W X Y Z A B C D E G G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z A B C D E
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Q R S T U V W X Y Z A B C D E F G H J J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z A B C
D E F G H I K K L M N O P Q R S T U V W X Y Z A B C D E F G H I J L L M N
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B C D E F G H I J K L N N O P Q R S T U V W X Y Z A B C D E F G H I J K L
M O O P Q R S T U V W X Y Z A B C D E F G H I J K L M N P P Q R S T U V W
X Y Z A B C D E F G H I J K L M N O Q Q R S T U V W X Y Z A B C D E F G H I J
K L M N O P R R S T U V W X Y Z A B C D E F G H I J K L M N O P Q S S T U
V W X Y Z A B C D E F G H I J K L M N O P Q R T T U V W X Y Z A B C D E F G H
I J K L M N O P Q R S U U V W X Y Z A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S
T V V W X Y Z A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U W W X Y Z A B C D
E F G H I J K L M N O P Q R S T U V X X Y Z A B C D E F G H I J K L M N O P Q
R S T U V W Y Y Z A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Z Z A B
C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y
Der Schlüsselbuchstabe in der ersten Spalte wird
für die Auswahl des Alphabets bestimmt. Über die oben festgelegte
Identifizierung können Chiffrierung und Dechiffrierung alternativ definiert
und rechnerisch abgewickelt werden:
· {Ai : i aus ZNn } ·
Chiffrierschritt: Ai(x) = x + i mod Nn · Dechiffrierschritt: (Ai)-1(y) = y -
i mod Nn · Wichtiger Sonderfall: · Bitweise Addition modulo 2 (XOR),
Chiffrieren im Dualsystem · 'Vernam'-Chiffrierschritte ·
Beaufort-Chiffrierschritte · {Bi : i aus ZNn } · Chiffrierschritt: Bi(x)
= i - x mod Nn · Dechiffrierschritt: (Bi)-1(y) = i - y mod Nn
aus:
http://www.informatik.tu-muenchen.de/~gerold/aktvorl992000/schritt3.html
4. MNEME (mneme)
Montage
Auch: Gedächtnis Definition: Der
Begriff wurde von dem Zoologen R. SEMON (1859-1918) eingeführt. Unter M.
versteht Semon das Gedächtnis als Oberbegriff für sowohl vererbte als auch
erworbene Eigenschaften. Semon geht dabei von der Annahme aus, daß das
Gedächtnis nicht nur als psychische, sondern als allgemeine organische
Fähigkeit anzusehen ist. Spuren von Erlebniseindrücken (s.Engramme) werden
bewahrt und reproduziert ohne Rücksicht darauf, ob sie in das Bewußtsein dringen
oder nicht. Semon unterstützt mit dieser Theorie die von LAMARCK betonte
Möglichkeit, daß sich erworbene Eigenschaften durch Engramme vererben lassen
(s.Vererbung).
Gebärde: Variante 1
Sind es die «Mneme», die unsere Gehirne zu einem
Geist machen?
aus
http://www.sign-lang.uni-hamburg.de/projects/plex/PLex/lemmata/C-Lemma/Mneme.htm als
weiterführende Literatur: Alexander R.Lurija, The Mind of a Mnemonist, New York
1972
5. DAS GEHIRN EINE ERREGUNG
Textsampel
"Ce sont les regardeurs qui font les tableaux."
("Es sind die Betrachter, welche die Bilder machen" , Marcel Duchamp) 1
Was macht das Gehirn mit den Sinnesdaten, was
machen sie im Gehirn? Achtung! Die Zeichen sind anwesend. Das Referenzsystem
ist die Instrumentalisierung des Erinnerungsgegenstandes durch die Kompetenz.
Oder ist es andersrum? Vilem Flusser, während einer seiner Elogen auf die
Emanzipation der numerischen Codierung aus dem alphabetischen Diskurs von
Dietmar Kamper gefragt, ob er auch damit einverstanden sei, seine Frau zu
digitalisieren, heftig widersprechend: "Natürlich nicht! Sie muß mir
zuhören, wenn ich darüber rede, sonst kann ich nicht sprechen. Pascal sagt
nur die halbe Wahrheit über das Verhältnis von Herz und Vernunft. Auch die
Vernunft hat ein Herz, das das Herz nicht kennt."2 Was würde wohl Sadie Plant
darauf erwidern. In ausführlicher Referenz auf die "Mille Plateaux" von
Deleuze/Guattari hofft sie, die selbsternannte "Queen of Cyberfeminism" in
ihrem Buch "Nullen und Einsen", die weiße männliche Vorherrschaft in ihren
ideologischen Fundamenten zu erschüttern, indem sie die Aufmerksamkeit auf
die vielen unerwünschten Nebeneffekte und virulenten Potentiale richtet, die, in
ihren Worten, der Kontrolle der Technokraten immer wieder entgehen. 3 Wohl
weit entfernt von Steven Pinker, der im menschlichen Geist einen durch die
natürliche Selektion geformten neuronalen Computer sieht. Also ein Vertreter
jener Richtung ist, die die Evolutionsbiologie des Menschen mit der
Künstlichen-Intelligenz-Forschung verbindet. Ihre Methode ist durch
äusserste Distanzierung vom menschlichen Seelenleben gekennzeichnet; sie sucht
den «neutralen Blick eines ausserirdischen Biologen», der sich einen Reim auf
die menschliche Spezies machen will, ohne ihre Interessen zu teilen. 4 Heinz
von Foerster, in seinem unvergleichlichen Hang zu nüchternem Pathos, würde
wohl changierend einwerfen, "man darf nicht übersehen, daß man ein Gehirn
braucht, um ein Gehirn zu verstehen und Modelle von ihm zu entwickeln.
Eigentlich muß man sich selbst erklären und verstehen, um das Gehirn zu
begreifen. Die Struktur der Theorie, die ich meine, muß den Anspruch
erfüllen, sich selbst zu beschreiben: Das ist symbolisch gesprochen, der
Ouroboros, die Schlange, die sich in den Schwanz beißt."5 Das Gehirn eine
Erregung. Gerhard Roth spricht von "peripherer Codierung" und dem "Prinzip
getrennter Erregungsverarbeitung". Danach unterscheidet die erste Rezeption
der Sinnessignale im Gehirn nicht zwischen ihrer Natur und Herkunft aus Ohr,
Auge, Hand, Mund oder Nase. Farbe, Form und Bewegung zum Beispiel werden erst am
Schluß von ihren Orten im Gehirn zum "gesehenen" Gegenstand wieder
hinzugestaltet, also nicht entschlüsselt aus einer zentralen Information, die
es nicht gibt. Es gibt also grundsätzlich das Prinzip der Unbestimmtheit
oder Neutralität des neuronalen Codes, wobei man von verschiedenen Arten
der Codierung ausgeht, auf denen das, was wir letztlich wahrnehmen, beruht.
Was Nervenzellen "können", ist, daß sie aktiv oder nicht aktiv sind, daß sie
gehemmt oder erregt sind und daß sie ganz verschiedene Stufen der Erregung
einnehmen. Mit diesen verschiedenen Erregungsstufen können nur quantitative
Unterschiede ausgedrückt werden, Grade der Helligkeit einer Farbe, der
Lautstärke eines Tones oder der Geschwindigkeit eines Reizes. Alles
Qualitative wird nach anderen Prinzipien codiert. Wir wissen, daß die Modalität,
also die elementarste Unterscheidung von Sehen, Hören, Fühlen, Schmecken
usw., nach dem Ortsprinzip geschieht. Das heißt, die Modalität wird bestimmt
davon, wo im Gehirn eine Erregung stattfindet. Die Erregung von Nervenzellen
wird immer mit der Erregung von anderen Nervenzellen verglichen. Bedeutung im
Gehirn entsteht also immer relational. Daraus konstruiert sich das Gehirn,
genauer gesagt, daraus konstruieren sich die Teile des Gehirns gegenseitig
die Welt zusammen. 6
1 Duchamp du Signe; hg. v. M.
Sanouillet & E. Peterson, Paris 1975, S. 247 2 Dietmar Kamper: Ein
Fenster ins Weite; in: Kunstforum International Bd.117, S. 78 3 Vgl. Sadie
Plant, Nullen und Einsen. Digitale Frauen und die Kultur der neuen Technologien,
Berlin Verlag, Berlin 1998. 4 Vgl. Steven Pinker: Wie das Denken im Kopf
entsteht. Aus dem Amerikanischen von Sebastian Vogel und Martina Wiese.
Kindler-Verlag, München 1998. 5 Heinz von Foerster, In: Wahrheit ist die
Erfindung eines Lügners, Carl-Auer Systeme, Heidelberg 1999, S.114. 6
Gerhard Roth, Die Konstruktivität des Gehirns: Der Kenntnisstand der
Hirnforschung. In: Hans Rudi Fischer (Hg), Die Wirklichkeit des
Konstruktivismus, Carl-Auer-Systeme, Heidelberg 1995, S.47ff
6. REALITÄTEN Dekomposition
Oliver Sacks: I know a man who misstook his wife
for a hat.
Heinz von Foerster: You know a man who took
his wife for a hat?
Epimenides: Na und! Ich bin ein Kreter. Alle
Kreter lügen!
7. DAS RAUSCHEN DER
ZEICHEN Kompilation
10 002 10 003 10 004 10 005 10 006 10 007 10
008 10 009 10 010 10 011 10 012 10 013 10 014 10 015 10 016 10 017 10
018 10 019 10 020 10 021 10 022 10 023 10 024 10 024 10 025 10 026 10
027 10 028 10 029 10 030 10 031 10 032 10 033 10 034 10 035 10 036 10
037 10 038 10 039 10 040 10 041 10 042 10 043 10 044 10 045 10 046 10 047
10 048 10 049 10 050 10 051 10 052 10 053 10 054 10 055 10 056 10 057 10
058 10 059 10 060 10 061 10 062 10 063 10 064 10 065 10 066 10 067 10 068
10 069 10 070 10 071 10 072 10 073 10 074 10 075 10 076 10 077 10 078 10
079 10 080 10 081 10 082 10 083 10 084 10 085 10 086 10 087 10 088 10 089
10 090 10 091 10 092 10 093 10 094 10 095 10 096 10 097 10 098 10 099 10
100 10 101 10 102 10 103 10 104 10 105 10 106 10 107 10 108 10 109 10
110 10 111 10 112 10 113 10 114 10 115 10 116 10 117 10 118 10 119 10
120 10 121 10 122 10 123 10 124 10 125 10 126 10 127 10 128 10 129 10 130
10 131 10 132 10 133 10 134 10 135 10 136 10 137 10 138 10 139 10 140
10 141 10 142 10 143 10 144 10 145 10 146 10 147 10 148 10 149 10 150
10 151 10 152 10 153 10 154 10 155 10 156 10 157 10 158 10 159 10
160 10 161 10 162 10 163 10 164 10 165 10 166 10 167 10 168 10 169 10 170
10 171 10 172 10 173 10 174 10 175 10 176 10 177 10 178 10 179 10 180
10 181 10 182 10 183 10 184 10 185 10 186 10 187 10 188 10 189 10 190
10 191 10 192 10 193 10 194 10 195 10 196 10 197 10 198 10 199 10
200 10 201 10 202 10 203 10 204 10 205 10 206 10 207 10 208 10 209 10 210
10 211 10 212 10 213
aus: Toni Kleinlercher, TAKES AUS
JULIANISCHEN TAGEN, 10002 - 10213.
Selbst wenn der Betrachter nicht sieht und der
Hörer nicht vernimmt, wertet der Computer aus. In feinen Abstufungen oder
Verschiebungen verweben sich die eigentlichen Bild- und Toninformationen mit
weiteren Angaben, zum Beispiel Copyright- oder Eigentümervermerken. Das
Verfahren, Informationen mittels digitaler Wasserzeichen zu verstecken, stammt
aus der Verschlüsselungstechnik und wurde unter dem Namen Steganographie
bekannt. Steganographische Werkzeuge verbergen eine Mitteilung im Rauschen einer
anderen. Wobei im nachrichtentechnischen Sinn alle redundanten, also
überflüssigen Informationen, als Rauschen gelten. Ein Beispiel: "In einem
digitalisierten Bild, in dem die Farben durch die Zahlen 0 (Schwarz) bis 255
(Weiß) codiert sind, legt ein Byte (acht Bit) die Farbe eines Bildpunktes, eines
Pixels, fest. Wird für ein weißes Pixel in der Folge 1111 1111 das letzte Bit
verändert, also in 1111 1110, so lautete der Farbcode auf 254 statt 255. Der
Unterschied zwischen Weiß und nicht ganz Weiß ist für das Auge kaum wahrnehmbar.
Wenn ein steganographisches Programm das letzte Bit aller Farbpunkte als
Rauschen einstuft, kann es in ihnen weitere Informationen transportieren. Ein
relativ kleines Bild von 300 mal 300 Pixeln könnte dann schon "unsichtbar" den
Text dieses Artikels enthalten." 1
Marshall McLuhans Behauptung, daß die Botschaften
sprachlicher Medien wie Radio, Fernsehen oder Computer das Medium selber
sind, hat längst die Sprache selbst befallen: Ist Sprache nur mehr Zeichen der
Kommunikation? Laut dem Schweizer Medientheoretiker Robert A. Fischer "erleben
wir heute die totale Semiotisierung der Sprache. Die Sprache dient nicht mehr
dazu, Inhalte zu vermitteln, sondern kulturelle Signale, politische
Affiliationen, modische Zugehörigkeit, berufliche Abgrenzungen zu bekunden. Die
Sprache hat einen neuen Grad der Abstraktion erreicht. Der Stil der Sprache hat
den Vorrang über ihre Bedeutung eingenommen." 2
Daß die Sprache ihre Bedeutsamkeit auf dem Markt
der Medialität preisgibt, kann man zwar bedauern, aber, das Rauschen der
Zeichen heißt ja nicht, wie man irrtümlich annehmen könnte, das Verschwinden
aller Bedeutung. Im Gegenteil. Es eröffnen sich neue Perspektiven dadurch,
daß die Verbindung zwischen den Zeichen und dem, was sie bezeichnen,
komplexer und aufregender geworden ist. Der Spielraum für kommunikative
Arbeit wird erweitert. "Wenn der Ausdruck (Signifikant) dessen, was vermittelt
werden soll, nicht mehr als mit seinem Inhalt (Signifikat) übereinstimmend
wahrgenommen wird, so dreht sich der bisher einseitige Kommunikationsfluss
unvermutet um: Zeichen gewinnen neue Bedeutungen, abweichende, eigene
Signifikate werden erfunden, so daß plötzlich der Hörer spricht." 3
Von hier aus sind Rückkoppelungen wie auch
weitere Verästelungen möglich. Der Ausspruch des Parasitenforschers Michel
Serres passt hier gut, daß sich "das Viele mit dem Vielen verbindet - ohne
Vermittler". Das kann dazu führen, daß Präsident Reagen sich Bruce Springsteens
"Born in the USA" als die inoffizielle Nationalhymne auf Selbstzufriedenheit und
verlogene Einheit aneignet, doch in der Popkultur wird das gleiche Lied von
vielen als eine Oppositionshymne verstanden. Und gerade indem sich die Bedeutung
der sprachlichen Zeichen selbst abschafft, kann eine neue Codierung der Sprache
entstehen. Dies geschieht nicht in den Hörsälen der Akademiker, sondern in
den Geburtsstätten des Rap: "In den Ghettos, wo Sprache das billigste
Musikinstrument ist." 4
"[(2b). or. (not.2b)]" - ein literarischer Code
von Martina Kieninger, indem sich augenscheinlich uralte Sprachfiguren
wiederholen, ist durchaus auch als magische Formel zu lesen, als "Die Magie,
die", laut Lewis Mumford, "lange Zeit ein noch primitiveres Merkmal der
Sprache, das aus dem Ritual stammte, bewahrte." Ein Großteil aller magischen
Formeln, wie Mumford weiter ausführt, besteht aus einer präzisen
Aneinanderreihung sinnloser Silben, die bis zum Überfluß wiederholt werden."
Dies gilt auch für den von Martina Kieninger zitierten Code von Programmen,
deren epischer Zeilenfall eine auffällige Nähe zu archaischen Formen des
Langgedichts hat. "Ilias" und "Odyssee" - die Fahrten des Listen-Reichen -
leben heute in den Listings langer Programme weiter. Die Schreibmaschine,
gleichsam als Individualisierung des Bleisatzes, hat sicher die Experimente der
visuellen und konkreten Poesie in den fünfziger und sechziger Jahren
begünstigt. Und möglicherweise hat das mit Hilfe der Schreibmaschine
fertigbare geometrische Textparkett bereits die Annäherung von Mathematik
und Sprache angekündigt, die heute in der gleichförmig binären Codierung von
Buchstaben und Zahlen im Computer vollzogen ist. 5 Original 1 Bit-Farbtiefe
Codiert 1 Bit-Farbtiefe
1 Vgl.Patrick Goltzsch/DIE ZEIT 1998 Nr. 03 2
R. A. Fischer: Textualität und Rap: Von der Semiotisierung der Sprache, in:
"Fabrik-Zeitung" (Zürich), Nr. 101/1994, S. 13-14. 3 Vgl.Peter
Glaser/DIE ZEIT 1996 Nr. 39 4 R. A. Fischer: Textualität und Rap: Von der
Semiotisierung der Sprache, in: "Fabrik-Zeitung" (Zürich), Nr. 101/1994, S.
13-14. 5 Vgl.Peter Glaser/DIE ZEIT 1996 Nr. 39
8. BAUDOT- MORSE - CODE -
VERSTRICKUNG Modifikation
Das folgende Schaubild beschreibt den Baudot Code
Satz (ITA#2 = International Telegraph Alphabet, #2). Das äußerst linke "Bit"
ist das "Most Significant Bit" (MSB), das als letztes übertragen wird. Das
äußerst rechte "Bit" ist das "Least Significant Bit" (LSB), das als erstes
übertragen wird. Die beigefügten Buchstaben und Ziffern sind als Morse Code
Version, verbunden mit der Hexadezimalpräsentation der Zeichen, ebenfalls
aufgelistet.
|
BITS
|
LETTERS
|
FIGURES
|
HEXADECIMAL
REPRESENTATION
|
 |
|
00011
|
.-
|
-
|
03
|
|
11001
|
-...
|
?
|
19
|
|
01110
|
-.-.
|
:
|
0E
|
|
01001
|
-..
|
$
|
09
|
|
00001
|
.
|
...--
|
01
|
|
01101
|
..-.
|
!
|
0D
|
|
11010
|
--.
|
&
|
1A
|
|
10100
|
....
|
STOP
|
14
|
|
00110
|
..
|
---..
|
06
|
|
01011
|
.---
|
'
|
0B
|
|
01111
|
-.-
|
(
|
0F
|
|
10010
|
.-..
|
)
|
12
|
|
11100
|
--
|
.
|
1C
|
|
01100
|
-.
|
,
|
0C
|
|
11000
|
---
|
----.
|
18
|
|
10110
|
.--.
|
-----
|
16
|
|
10111
|
--.-
|
.----
|
17
|
|
01010
|
.-.
|
....-
|
0A
|
|
00101
|
...
|
BELL
|
05
|
|
10000
|
-
|
.....
|
10
|
|
00111
|
..-
|
--...
|
07
|
|
11110
|
...-
|
;
|
1E
|
|
10011
|
.--
|
..---
|
13
|
|
11101
|
-..-
|
/
|
1D
|
|
10101
|
Y
|
-....
|
15
|
|
10001
|
--..
|
"
|
11
|
|
00000
|
n/a
|
n/a
|
00
|
|
01000
|
CR
|
CR
|
08
|
|
00010
|
LF
|
LF
|
02
|
|
00100
|
SP
|
SP
|
04
|
|
11111
|
LTRS
|
LTRS
|
1F
|
|
11011
|
FIGS
|
FIGS
|
1B
|
9. VOM SICHTBAREN ZUM
NICHTSICHTBAREN Collage
Nicht das Netz ist in der Kommunikation
von oberster Bedeutung, sondern die Veränderbarkeit des Netzes. Nicht das
materielle Gebilde, sondern die Energiezustände, also die Gedanken, dominieren.
Solche Wechselspiele in der Ornamentik machen tote Muster quasi lebendig, in
der Dichtung "Teppich des Lebens" genannt. Die Frage nach der Codierung für
die Kommunikation scheint also erheblich zentraler zu sein, als die Frage
nach der Kanalkapazität innerhalb des Netzwerkes der Kommunikation. Das
Eindringen in das Systems funktioniert durch den Code. Wer den Code kennt,
ist der Meister des Lebens.
Bei Videoclips zeigt sich zum Beispiel sehr oft,
daß man gar nicht weiß, was man gesehen hat, geschweige denn, welche
Ordnungsstrukturen dahinterstecken.Und doch können solche Videoclips einen
eigenen ästhetischen Reiz besitzen, der sich durchaus mit einem Rausch
vergleichen ließe und wahrscheinlich mit der Geschwindigkeit zusammenhängt. Es
gibt zweifellos das Bedürfnis, sich solchen Rauschzuständen auszusetzen. Und
in der Tat deuten neurowissenschaftliche Untersuchungen darauf hin, daß
solche Rausch- oder Schwindelzustände,
durch die man ja Ordnungsstrukturen nicht mehr
erkennen kann, unter bestimmten Bedingungen als lustvoll erlebt werden.
Unter bestimmten Bedingungen scheinen wir uns
gleichsam aus der Kausalität zwischen Stimulation und Simulation
auszukoppeln, uns aus den Zwangsläufigkeiten und Grenzen unserer Wahrnehmung
zu befreien. Wir kreieren unseren eigenen Code und versuchen, durch lustvoll
erlebte Zerstreuung dem sensorischen Determinismus als Meister des Lebens zu
entkommen.
Die ästhetische Dimension mag gerade in den
Schwebezuständen zwischen sogenanntem Faktischem und Fiktivem, zwischen
Selbsterfahrung und Selbstvergessen liegen, im ästhetischen Spiel mit
selbsterzeugten Änderungen der Welt (Simulation) und externen Änderungen der
Welt (Stimulation).
Vgl. Florian Rötzer: Gespräch mit Horst
Prehn , KUNSTFORUM International Band 124, 1993, Seite 158.
10. EBENSO WIE DAS LEERE
WORT Palimpsest
"Soweit man überhaupt etwas sagen kann,
kann man nur sagen, daß es schlicht ist, daß es sein eigenes Selbst ist, das
sich selbst mit einer eigenen Identität ausstattet" ( Ranulp Glanville )
1
Bild und Wort eine angeblich leere Oberfläche
ist nicht viel leerer als das leere Wort ich kann schlecht sagen eine leere
Fläche und ein leeres Wort seien analog denn es gibt kein Wort ohne Sinn
auch in der Wahrnehmung existiert kein leeres Feld was wir leer nennen ist
in Wirklichkeit etwas Vorhandenes ebenso wie das leere Wort dies ist kein
absoluter sondern ein relativer Zustand ist die Wüste leer für den Asketen
jedoch ein Blumengarten so meint man daß Dinge fehlen in diesem Sinne ist
das leere Bild eine aus Nichtvorhandenem gewebte Gegenwärtigkeit als Ort des
Auslöschens und der Vertreibung weist es auf einen anderen Ort hin mit Hilfe der
Erinnerung aktualisiert es alles was nicht mehr ist gar nicht existiert und
nicht dort ist so aktualisiert es seine Umgebung was seiner ausradierten
Seite gegenübersteht gestern noch Träger des Bildes der Welt in welcher es
sich befand und wenn es trotzdem an ein Palimpsest erinnert beschrieben zu
werden lediglich das Produkt der Erinnerung Frucht der List der Erinnerung
oder der dankbaren Erwartung des Bekannten unter seinem negativen Aspekt der
Leere betrachtet drückt das leere Bild kaum mehr aus als die Macht der
enttäuschten Gewohnheit was ich suche was aus diesem anscheinend leeren Feld
und durch Einbildungskraft des Menschen werden kann heute und auch in der
Zukunft als sei dieses Bild nichts verharre es in einer Art Wartestellung nicht
aus Feigheit wenn es sich entschließen würde dieses oder jenes zu sein nicht
mehr das sein könnte was es hätte sein können was es hätte sein müssen
womöglich aufgrund einer kalten Eile oder hochmütigen Ungeduld niemals mehr
werden weil es alles sein will ist dies wirklich wahr ist es richtig zu
sagen es sei nichts muß die Vorderseite dies oder das sein um überhaupt
etwas zu sein wenn sie dies oder jenes ist nun will das Bild aber nicht sein es
möchte etwas werden mit ihm soll etwas geschehen genau dies sagt seine
homogene Leere aus indem sie sich als Projektionsort der Einbildungskraft des
Menschen anbietet ist es am Betrachter die Leere mit seiner Projektion zu füllen
der Künstler wird hier zum Strategen und Initiator des Wahrnehmungsaktes des
virtuell wahrnehmenden Subjekts welches durch sein Handeln geschieht durch
ihn und nur durch ihn das Bild wird den Wert der Projektion des wahrnehmenden
Subjekts haben es wird niemals nur die Leere dessen sein der es betrachtet es
wird von der Leere dessen der sagt es sei leer angefüllt sein 2 2
1 Ranulp Glanville,
'Objekte', Merve Verlag, Berlin 1988 2 Vgl. Thomas Wulffen: Rémy Zaugg,
KUNSTFORUM International Band 112, 1991, Seite 332.
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